With a taste of poison paradise …

Liebe Genossinnen und Genossen,

Schluss mit dem Krieg im Gaza!
die Friedensgruppen der Stadt Chemnitz rufen für Dienstag, den 13. Januar
2009, 16.00 Uhr zu einer Kundgebung vor das Rathaus Chemnitz mit
anschließender Demonstration auf.

Wir fordern
· Sofortigen Waffenstillstand von beiden Seiten, nicht nur der
palästinensischen Seite!

· Sofortige Aufhebung der Belagerung des Gaza-Streifens, Aufhebung des
Wirtschaftsboykotts! Ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln,
Treibstoff und Medikamenten
.
· Sofortiger Stopp aller Siedlungsprojekte in der Westbank!
· Freilassung aller politischen Gefangenen !

Wir bitten Euch um eine aktive Teilnahme. Nutzt die verbleibende Zeit, um
Viele von dieser Aktion zu informieren. Je mehr wir sind, um so stärker wird
der Protest wahrgenommen.

Mit solidarischen Grüßen


(via pds-chemnitz.de)
Palästina Holocaust“ – „Tod, Tod Israel“ – „Ihr braucht größere Öfen

Seit den gezielten Luftangriffen, spätestens aber nach dem Einmarsch der israelischen Verteidigungsarmee in den Gazastreifen vor zwei Wochen, häufen sich beinahe weltweit die antiisraelischen Demonstrationen, auf denen der friedensbewegte Mob sich unreflektiert dazu hinreißen lässt, sich solidarisch zu zeigen mit der palästinensischen Volksbefreiungsbewegung und dabei auch nicht davon lassen kann, so zu tun, als würde Israel einen „Vernichtungskrieg“ gegen die Palästinenserinnen und Palästinenser führen.
Hamas, eine antisemitische Terrororganisation, anerkennt Israel nicht als das was es ist – ein Schutzraum für die Überlebenden des Holocaust und deren Nachkommen. Hamas geht es um die Errichtung eines Gottestaates auf Grundlage der Scharia und auf genau dem Gebiet, in dem Israel sich jetzt befindet; kurz gesagt also um nichts als deren Auslöschung. Allein seit 2001 hat Hamas, ideologisch und materiell vom Mullahregime Irans unterstützt, über 10.000 Raketen auf zivile Ziele in israelischen Städte abgefeuert, hinzu kommen die unzähligen Selbstmordattentate.
Der Protest der bunten Schar der Friedensbewegten nun aber versäumt es, sowohl die antisemitische Charta von Hamas, die Israels historische Legitimität und den Zionismus als besonderen israelischen Gründungsmythos im Vernichtungswahn persistent militant abspricht, zumindest einmal infrage zu stellen. Noch erkennen die Friedensbewegten die Selbstschutzmaßnahme Israels als aufklärerischen Akt für eine plurale Gesellschaft, in der etwa Frauen nicht zwangsverheiratet und gesteinigt werden und Homosexuelle sich freizügig bewegen können, an. Die Zerschlagung von Hamas ist daher auch für die PalästinenserInnen nur allzu unvermeidlich.
Die Gründe, das heißt Vorwände für diese „Friedenspolitik“, die allzu oft ihre Ursache in verkürzter Kapitalismuskritik (Solidarität mit den vermeintlich Schwächeren, moralisierende Umverteilungs-/Reformpolitik, Israel als Brückenkopf eines US-Imperialismus) haben, sind schwerlich zu ertragen. Der zynisch reaktionären Auswurf der „Friedensbewegung“ kulminiert, in der Parteinahme für das Selbstbestimmungsrecht der Völker, wie es von den TeilnehmerInnen aus einem bürgerlich-demokratisch, proletarisch-sozialistischem oder eben völkisch-nazifaschistisch Selbstverständnis heraus tun. Jüdinnen und Juden sind kein Volk, sie sind eine Gesellschaft.
Der marxsche Imperativ, alle „Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“, macht, im Verhältnis des falschen Ganzen und der Möglichkeit des Schlimmsten, nunmehr nur noch im Bezug auf Adornos Forderung Sinn:
Auf Dauer kann, im Stande der Unfreiheit, dafür nur gesorgt werden, dass nichts Ähnliches wie Auschwitz sich wiederhole, nämlich nur, wenn diese Unfreiheit, also die gesellschaftlichen Ursachen für den antisemitischen Wahn ausgeräumt werden, wenn man sich also auch der marxschen Forderung verpflichtet fühlt. Weil nun letztere leider keine unmittelbare Aussicht auf Erfolg hat, muss am zionistischen Imperativ festgehalten werden – alles zu tun also – um die Möglichkeiten der Überlebenden der Shoah, als Gesellschaft, nicht als Volk aufrecht zu erhalten.


11 Antworten auf “With a taste of poison paradise …”


  1. 1 Chrisse 19. Januar 2009 um 21:45 Uhr

    Alle Damen nauf!

  2. 2 schütten 20. Januar 2009 um 14:55 Uhr

    es wird ja auch nich richtiger, wenns wiederholt wird: http://sektunderdbeeren.blogsport.de/2009/01/12/fur-den-verein-freier-menschen/
    und macht marx´imperativ nach auschwitz nur in bezug auf adorno sinn, so spielt ihr das gegeneinander aus. adorno hatte vielleicht mehr im sinne als „israel bis zum kommunismus“, „die Bedingungen, die jenen Rückfall zeitigten“, den „gesellschaftliche(n) Druck“, die „Gleichgültigkeit des Lebens jedes Einzelnen“.
    wenn ihr die wiederholung der barbarei mit der erfolgreichen verteidigung israels verhindert seht und deswegen partei ergreift, liegt ihr sogar zweimal falsch. zum einen macht das die idf besser und außerdem ist damit wenig gegen die bedingungen der möglichkeit (lol) d.h. dem fortdauern der barbarei unternommen, kommunisten können sich also ruhig um den laden hier kümmern (statt gegen einen bauchladen im nahen osten zu agitieren), z.b. sich kritisch gegen einen „so respektablen begriff“ wie den der staatsraison richten: „indem man das Recht des Staates über das seiner Angehörigen stellt, ist das Grauen potentiell schon gesetzt“, sagt adorno. und ich meine da zuletzt israel.

  3. 3 susi 21. Januar 2009 um 0:11 Uhr

    thx

  4. 4 ich 21. Januar 2009 um 19:07 Uhr

    warum wird in dieser debatte immer mit ‚uns‘, ‚wir‘ und ‚ihr‘ (s. schütten^) argumentiert? bei anderen themen kann man doch auch einfach ‚ich‘ und ‚du‘ sagen? oder ist das neuerdings ein gruppenblog?

    „Wir sagen und Ich meinen ist eine von den ausgesuchtesten Kränkungen.“ – Minima Moralia, 217

  5. 5 schütten 22. Januar 2009 um 13:56 Uhr

    so zwitschern es die vögel. und außerdem: wenn ein text ohne unterschrift auf zwei blogs erscheint, was würdest du dann sagen? ihr zwei?

  6. 6 ich 22. Januar 2009 um 19:36 Uhr

    es ist mir auch allgemein aufgefallen, das bei dem thema immer automatisch zwei fronten entstehen. und da das ja (scheinbar) der blog einer einzelperson ist hat er/sie/es vielleicht auch eine differenzierte meinung dazu. diese meinung sollte aber nicht mit irgendeiner gruppe assoziert werden… denn keine unterschrift kann auch bedeuten das es die meinung von nur einer person ist die irgendjemand aus anderen gründen auch gut findet…

  7. 7 devnull 22. Januar 2009 um 20:14 Uhr

    ja, schon @ ich. es hat seine gründe.
    und das zwei fronten entstehen, wenn meinungsverschiedenheit auftritt, ist mir auch schon aufgefallen :-?

  8. 8 Frechi Fergcel 22. Januar 2009 um 20:42 Uhr

    hallo,
    text ist auch und vorallem flyer und nicht unmaßgeblich auch von mir („einzelperson“) geschrieben. er wurde u.a. auf der „friedensdemo“ an friedensbewegte ausgegeben. wo allerdings das problem liegt, den text zweimal im internet entdeckt zu haben, kann ich (gerade „big, brother, blank,ziehen,dusche,knubbel,staffel 10″ im youtube-tab eingebend) nicht nachvollziehen

    und macht marx´imperativ nach auschwitz nur in bezug auf adorno sinn, so spielt ihr das gegeneinander aus. adorno hatte vielleicht mehr im sinne als “israel bis zum kommunismus”, “die Bedingungen, die jenen Rückfall zeitigten”, den “gesellschaftliche(n) Druck”, die “Gleichgültigkeit des Lebens jedes Einzelnen”.
    wenn ihr die wiederholung der barbarei mit der erfolgreichen verteidigung israels verhindert seht und deswegen partei ergreift, liegt ihr sogar zweimal falsch. zum einen macht das die idf besser und außerdem ist damit wenig gegen die bedingungen der möglichkeit (lol) d.h. dem fortdauern der barbarei unternommen, kommunisten können sich also ruhig um den laden hier kümmern (statt gegen einen bauchladen im nahen osten zu agitieren), z.b. sich kritisch gegen einen “so respektablen begriff” wie den der staatsraison richten: “indem man das Recht des Staates über das seiner Angehörigen stellt, ist das Grauen potentiell schon gesetzt”, sagt adorno. und ich meine da zuletzt israel.

    zwischen parteinahme für israel (als das besondere) und affirmativer staatsauffassung(als das allgemeine) gibts gerade nur den zusammenhang, den personen darin sehen wollen, die der sache eben das besondere absprechen(warum auch immer).“geschichte taugt für erklärung nicht“.
    achso: das mit dem bauchladen. hihi.

  9. 9 devnull 22. Januar 2009 um 21:44 Uhr

    zwischen parteinahme für israel (als das besondere) und affirmativer staatsauffassung(als das allgemeine) gibts gerade nur den zusammenhang, den personen darin sehen wollen, die der sache eben das besondere absprechen(warum auch immer).

    Und einen anderen Zusammenhang zwischen Allgemeinen und Besonderen siehst du nicht?

    Die Staatskritik leugnet doch nicht, dass jede Einzelheit (also jeder konkrete Staat) ihres Gegenstandes (eben das Allgemeine, das an jedem Staat zu finden ist) etwas Besonderes ist. Nur streicht die Besonderheit das Allgemeine nicht durch. Und damit auch nicht seine Kritik als Allgemeines. (huiuiui)

  10. 10 ingrid blume 23. Januar 2009 um 17:53 Uhr
  11. 11 frechi 29. Januar 2009 um 9:04 Uhr

    @devnull:

    Gerade die Linke, die Marx gelesen hat, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es keinen historisch legitimierten Anspruch auf das Land gibt, sondern dass, wie Wolfgang Pohrt in der taz vom 28. Juni 1982 schrieb, »Palästinenser und Israelis gleiche Rechte besitzen, dass zwischen gleichen Rechten die Gewalt entscheidet, und dass Israel über die bessere Armee verfügt«.

    Gerade eine Linke, die den Anspruch hat, antinational zu denken, müsste wissen, dass die Staatenbildung immer nur das Deprimierendste hervorbringt. Wolfgang Pohrt schrieb damals: »Wenn Menschen sich als Volk zusammenrotten und einen eigenen Staat bekommen, sind alle humanitären Traditionen und ist die ganze Leidensgeschichte vergessen. Als Patrioten fügen sie anderen zu, was sie erlitten, als sie als vaterlandslose Gesellen galten. Kein Grund zur Annahme, die Palästinenser würden sich, wenn sie Erfolg hätten, anders verhalten als die Israelis.(Vgl. jungle world

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