Heiner Müller: Seife in Bayreuth

Seife in Bayreuth

für Daniel Barenboim

Als Kind hörte ich die Erwachsenen sagen:
In den Konzentrationslagern wird aus den Juden
Seife gemacht. Seitdem konnte ich mich mit Seife
Nicht mehr anfreunden und verabscheute Seifengeruch.
Jetz wohne ich, weil ich den TRISTAN inszenziere
In einer Neubauwohnung in der Stadt Bayreuth.
Die Wohnung ist sauber wie ich noch keine gesehen habe
Alles ist am Platz: Die Messer Die Löffel Die Gabeln Die Töpfe Die Pfannen Die Teller Die Tasse Das Doppelbett.
Die Dusche, MADE IN GERMANY, kann Tote aufwecken.
An den Wänden Blumen- und Alpenkitsch.
Hier ist Ordnung, auch das Grün hinter dem Haus
In Ordnung, die Straße still, gegenüber die HYPOBANK.
Als ich das Fenster aufmache zum erstenmal: Seifengeruch.
Das Haus der Garten die Stadt Bayreuth riechen nach Seife.
Jetzt weiß ich, saghe ich gegen die Stille
Was es heißt in der Hölle zu wohnen und
Nicht tot zu sein oder ein Mörder. Hier
wurde AUSCHWITZ geboren im Seifengeruch.1

  1. aus: Heiner Müller: Werke 1. Die Gedichte, Frankfurt/Main 1998 [zurück]

2 Antworten auf “Heiner Müller: Seife in Bayreuth”


  1. 1 ol man trouble 10. November 2008 um 2:35 Uhr

    danke, weil auch aufregung ueber die berichterstattung, die protegiert, dass nur vereinzelte und irgendwie wahnsinnige sich rein brandstifterisch an den synagogen zu schaffen gemacht hätten

  2. 2 bornschier 11. November 2008 um 14:36 Uhr

    das googleadd: „Besteck Reinigen
    Für ein glänzendes und sauberes Besteck ohne nachpolieren!“

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