Archiv für August 2008

Personal-Help-Shows als Spiel ohne Grenzen: Die mediale Festivalisierung von Dressur, Selektion und Lohnarbeit

In jeder Folge kämpfen drei junge Menschen um einen begehrten Lehrvertrag in ihrem Traumberuf. Dabei müssen sie sich in der für sie neuen Berufswelt beweisen. Sie erleben Erfolg und Niederlage, Freundschaft und Feindschaft, Glück und Leid.

Formatbeschreibung ProSieben.de

Weshalb Beschädigte, denen es kaum gelingen will das was sie ihr Leben nennen, so zu meistern, dass es ihnen leicht fiele, es selbst als Spaziergang zu begreifen, ihr Martyrium mit einer Bewerbung für Personal-Help-Formate geradezu verdoppeln, scheint bei oberflächlicher Betrachtung zunächst durch und durch rätselhaft. (mehr…)

Sauber: Grigat holt die antideutschen Kohlen für die Guten aus dem Feuer

Stephan Grigat in Jungle World gegenüber der persistent an der antideutschen Linken geäußerten Vorwürfen, dass es sich um Nichts als „neurotische“ (R.Kurz) Israel-Begeisterung handle, „die sich mit den Maximalpositionen der israelischen Rechten deckt“ (M.Klocke), ferner gar den selben Nährboden wie der Antisemitismus – als „umgekehrter“sich entladend – und „ausgepichten Israel-Feinden nichts voraus“ habe (M. Zuckermann).

Die antideutsche Kritik leitet nicht aus einem »unreflektierten Solidaritätsaffekt mit Israel (…) eine essentialistisch grundierte antipalästinensische beziehungsweise antimuslimische Grundhaltung« her, sondern formuliert materialistisch fundierte Kritik am politischen Islam. Sie verweist darauf, dass es etwas Schlim­meres gibt als den Kapitalismus und die bürgerliche Gesellschaft: ihre barbarische Aufhebung. Für diese negative Aufhebung der bürgerlichen Gesellschaft stehen historisch der Nationalsozialismus und der Faschismus. Heute aber ist der jihadistische Islam zum Haupt­pro­ta­gonisten solch einer Aufhebung geworden. Bei allen offenkundigen Unterschieden, die zwischen dem Nationalsozialismus und der islamischen Erweckungsbewegung bestehen, kann die antideutsche Kritik doch darauf verweisen, dass beide Ideologien für einen ressentimentgeladenen Antikapitalismus stehen, der das vom Kapital verursachte Elend nicht ab­schaffen, sondern nur anders, »volksgemeinschaftlich« oder ummasozialistisch, organisieren möchte und die den Tod zahlreicher Menschen achselzuckend in Kauf nehmende instrumentelle Vernunft der bürgerlichen Gesellschaft noch durch die wahnhafte Vernichtung von Menschen um der Vernichtung willen ergänzt.
Vor diesem Hintergrund ist im Selbstverständ­nis der antideutschen Ideologiekritik die Parteinahme für Israel, die nicht davon zu abstrahieren braucht, dass staatliche Verteidigungsmaßnahmen auch zu grauenhaften Übergriffen führen können und dass staatliches Handeln in Israel keineswegs auf den Zweck der Ver­hinderung der Vernichtung beschränkt ist, eine zwingende Konsequenz aus der Kritik des Fetischismus kapitalakkumulierender und staatlich verwalteter Gesellschaften: »Die radikale Entfaltung der Kritik der politischen Ökonomie zu ihrer revolutionären Konsequenz (ist) gleichbedeutend mit der bedingungslosen Solidarität, die wir Israel schuldig sind.« Der Zionismus ist für die Ideologiekritik in der Tradition der Kritischen Theorie zwar nicht die richtige Antwort auf den Antisemitismus (das wäre nach wie vor die Errichtung der klassen- und staatenlosen Weltgesellschaft, die freie Assoziation freier Individuen, die befreite Gesellschaft, die es den Menschen ermöglicht, ohne Angst und Zwang verschieden zu sein), aber er ist, ganz unabhängig von seiner je konkreten Ausgestaltung in der je unterschiedlich begründeten und zu bewertenden israelischen Regierungspolitik, die vorläufig einzig mögliche. So gesehen ist der Zionismus »das notwendig falsche Bewusstsein der Juden und Jüdinnen, die das richtige Bewusstsein über ihre Verfolgung erlangt haben«.

Wo Hannes Gießler im Conne Island Newsflyer gegen eine „antideutsche Jugendbewegung[…], die, mit Israel-Buttons und Sonnenbrillen bestückt, erfolgreich dabei ist, Antifaschismus, Hedonismus und Kommunismus via 4/4-Takt und Koks zur dümmstmöglichen Einheit zu synthetisieren“ polemisiert, räumt auch Grigat die Existenz eines Milieus mit einer spezifischen „linken Gesinnungsmode“ ein. Ideologiekritik in der Tradition der Kritischen Theorie würde da eben nicht artikuliert:

Unreflektierter Aktivismus und sinnentleertes Fahnenschwenken kann sich an keiner Stelle an der antideutschen Textproduktion orientieren, sondern steht im Widerspruch zu dieser und ihrer Kritik an Politkitsch und der Sehnsucht nach einer Bewegung. Der Vorwurf des Philosemitismus und Philozionismus an die Antideutschen ist jedenfalls an den Texten der antideutschen Kritik nicht auszuweisen.

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Satire ists gerade wenn sichs leidlich müht

Ein Manuskript einer CDU- Kandidatin zu den Flensburger Kommunalwahlen an die Redaktion von Konkret.

„Sehr geehrter Herr Gremliza, sehr geehrte Damen und Herren, ich biete Ihnen hiermit 3 Satiren zur Veröffentlichung an. Die 68er, Die 78er und Sex in the City. Bitte rufen Sie mich an damit wir über das Honorar sprechen können. Vielen Dank! Mit freundlichen Grüßen

Iris Ulrike Strenge“

Bedauerlicherweise bringt Konkret nur eine der drei Satiren:

„Es gibt eine Gruppe, die gerne von früher träumt, damals als sie noch jung waren: Die 68er. Sie schwärmen von alten Zeiten, Damals als sie den Arbeiterkampf verkauften, Hörsäle blockierten, Kommunen in den Großstädten errichteten. Und die Zeit hat ihnen natürlich sehr viel Sinnenfreude bereitet. Und heute? Die einen sitzen nach wie vor in Kneipen, das Hirn ist regelmäßig benebelt, die Denkleistung ist reduziert, das Herz schlägt links und sie träumen von der großen Revolution. Die anderen sind im gehobenen Management tätig oder tragen selbst die Richterroben und fühlen sich etabliert richtig wohl.“