Der Volksverdummungsteufel ist ein spackiger Schwarzer

Wenn in Texten „Volksverdummung“ konstatiert wird, von „spakigen Schwarzen“ und „Emanzen“ die Rede ist, die sich mutmaßlich dafür verantwortlich zeichnen und darüber hinaus persistent die zur Zurschaustellung von Sexualtität im Fernsehen beklagt wird, dann werden die jeweils ekelhaftesten Dispositionen der jeweiligen AutorInnen offenbar.

„Volksverdummung Ahoi“ ist ein Versuch einer jungen Philosophie- und Literaturwissenschaftsstudentin aus der Provinz ihr Hobby – das Verfassen kurzer Texte in deutscher Sprache für das „unabhängige“ Chemnitzer Campusjournal - schon früh in der Studienzeit zu einer Hochkulturkategorie zu katalysieren.
Medien, so weiß die Autorin, sind der „Spiegel der Gesellschaft“ und die besteht, weil es „Talkshows, Soaps und Werbung“ gibt „nur noch aus einer Masse einfältiger Zombies“. Klingeltonhase, „verblödete Barbies“ und furchtbare „Meterosexuelle“, geifert sie sich von Anbeginn zornesrot wie eine polternde Bäuerin, interessierten nun wirklich Keinen – zumindest diejenigen nicht, die das bessere Fernsehen kennen. „Dokumentation“ verkörpern es, wissenschaftliche. Oder Bücher, weil sie kein Fernsehen sind und es da keine Titten hat, wie in 60% aller Werbeclips (Schätzwert der Autorin). Diese „Trieborientierte(n) Kampagnen!“ verführen das Volk, lassen es hinabsteigen in den Hades, dahinein wo ein „spakiger Schwarzer mit gebrochenem deutsch“ den Fährmann gibt, wo „neue Weltverbesserer“ in kleinen Tretbooten auf dem pechschwarzen Styx „BH´s aufgdröseln“ und im Dickkicht der Uferzone vielleicht auch Schwänze gelutscht werden.
Aber selbst in Büchern, habe sich der „Volksverdummungsteufel“ (und damit auch das alte Lied vom Antisemitismus) eingeschlichen: Bohlen, Küblböck und der „spakige Schwarze“ sind Schwachsinnige, Schädlinge, die keinen „intelligenten Anreiz“ bieten – einem Fortschritt der Volksgemeinschaft im Weg stehen, ihn nur so verhindern würden, indem sie ihren Mehrwert daraus ziehen. Eine Allegorie die anschlußfähig ist an das Schmarotzen von Jüdinnen und Juden, die der Volksgemeinschaft ihre einzigartige Entwicklung nicht lassen, stattdessen, nicht nur eine Verwilderung der Intellektuellen, sondern auch eine wilde Vermischung der Leiber propagieren. Die Autorin affirmiert die deutsche Volksgemeinschaft und die Gesamtheit all ihrer Hochkulturleistungen als natürliche, die sie durch ihre zornig kulturpessimistischen Mutmaßungen erodieren sieht. Diese Zustände werden, ihrer Selbstauskunft nach, wie auf Drogen, einem Horrortrip, erlebt: Wieso wird„Volksverdummung auch noch wirtschaftlich unterstützt?“
Nicht nur dass die Autorin ihre autoritäre Persönlichkeit freilegt ist bemerkenswert, sondern auch der Kontext in dem sie ihren Text abkippt. Das Campusjournal ist das mittlerweile zweite neue Hochglanzmagazin von Studierenden an der Uni Chemnitz innerhalb eines Jahres mit einer Auflage jenseits von 1000 Exemplaren. Wo tuchfühlung nett, belanglos und studentisch ist, präsentiert sich das „CJ“ in Teilen als rechtskonservatives Aufmerksamkeitsökonomie-Brechermag.

volksverdummungcampusjournal


6 Antworten auf “Der Volksverdummungsteufel ist ein spackiger Schwarzer”


  1. 1 klassenfeindin 20. Juni 2008 um 14:08 Uhr

    nun ja bemerkenswerte analysen von dieser angehenden geisteswissenschaftlerin … ab mit den schwänzen, her mit den biederröcken!
    by the way nutzt dieser artikel ne ganz schön krass sexualisierte sprache… ich muss leider mir auch volksverdummung eingestehen: was war noch mal ne allegorie?

    cu at the bitter end auf dem campus der tu chemnitz.

  2. 2 kopfmatscher 22. Juni 2008 um 12:42 Uhr

    übler artikel dieser maßlosschimpferin.
    (eventuell fiel sie beim recherchieren des artikels (glotzen von /volksverdummerigem/ material im dauerabo auf rtl,prosieben und bild.de) in eine art raserei und schrup ihre wutigen feststellungen gleich 1:1 auf leppi nieder.?)
    fleischt sollte sich die autorin selbst für immer in die bücherabteilung der bibliothek einweisen lassen (lol), vorher tv, pc und radio aus dem fenster schmeissen, um nicht in versuchung zu kommen, leser weiterhin mit solch beschruppten artikeln zu belestigen. :O(

  3. 3 casio 26. Juni 2008 um 12:13 Uhr

    auf der website campusjournal.de finden sich unterdessen weitere leseproben, die einem glauben machen, dass es sich um ein satiremagazin handelt.

    Chemnitz lebt: Eine Reise durch die Chemnitzer Nacht

    Posted by Kristiane Dürich on 10.12.2007

    Es ist Freitagabend, 20 Uhr. Ich schaue aus dem Fenster in die langsam vor sich hin dämmernde Helligkeit und sehe draußen Leute die Bürgersteige vor ihren Häusern hochklappen.

    Ich seufze. Es ist Wochenende in Chemnitz. Ich denke an diesen Tagen der Woche muss die Selbstmordrate schauerlich hoch sein. Ich stelle mir die Frage, ob es Leben da draußen gibt. Da draußen in den Straßen an den Tagen, an denen die Wohnheime Strom sparen, weil die Studierenden nun bei ihren Familien Energieressourcen verjubeln. Heute Abend, sage ich mir, will ich es wissen: ich werde das Leben Chemnitzer Studenten suchen und finden. Mein Weg führt mich durch verschiedene Lokalitäten, die studentenfreundliche Preise anbieten.

    Ich entscheide mich fürs Flowerpower, Subway to Peter, die Studentenclubs PEB und FPM. In Amerika nennt man das „Club-hopping“. Ich nenne es Chemnitz-Hüpfen, weil beachtliche Distanzen zwischen den Clubs liegen.

    Das Flowerpower liegt verschlagen auf einer terrassenähnlichen Anlage direkt gegenüber des Karl-Marx-Kopfes, der wiederum, wenn er sein Kopf nach links wendet, auf McDonalds spucken könnte (ich bin mir sicher, dass er es bereits einmal versucht hat).

    Das Flowerpower ist dann auch eine durchdachte Kombination von Revolution und Kapitalismus. Auf der einen Seite ist es eine Kette, die nach marktorientierten Entscheidungen ihr Unwesen in Ostdeutschland treibt, und gleichzeitig werden John Lennon und Bob Dylan, und andere rauf und runter gespielt. Oldies und Evergreens finden heute am Freitagabend ihre Zuhörer und man meint, die vielen Bienen aus Pappmaché an der Decke summten hierzu im Takt. Ich fühle mich sehr wohl, denn die Dekoration ist liebevoll gestaltet.

    Mein Caipi steht auf einem Tisch, der die Zunge der Rolling Stones imitiert – Gott sei Dank ist es kein Fotodruck von Mick Jaggers Zunge, sondern nur das bekannte Logo. Aber der Caipi, der runde 5 Euro kostet, will mir nicht richtig munden. Ob es ein Revolutionsschnaps ist, der sich nicht in die Gesellschaft der Limetten fügen will oder ist es vielleicht doch eine ungewohnte oder günstige Variante des Cachaça? Ich frage nicht nach. Bei den Klos ist die Sache eindeutiger. Die sind zwar neu, aber sehen nicht so aus, als wären sie seit gestern ordentlich geputzt worden. In den Ecken häufen sich kleine Berge Asche. Nur der regelmäßige „FloPo“-Besucher wird beurteilen können, ob es der Regelfall oder eine Ausnahme ist. Die Zeit drängt, nach dem Klobesuch verlasse ich das Flowerpower, denn ich habe noch ein Rendezvous.

    Der Busfahrer an der Zentralhaltestelle scheint sich aber nicht an unser Date zu erinnern, so nehme ich wortlos Platz in der Linie 21, die mich bis zur Haltestelle Lessingstraße bringt. Dort geht es Richtung Bahnhof in die Peterstraße, wo die Katakomben des Subway to Peter ihre Tore öffnen, ohne Eintritt zu verlangen. Es spielen meistens relativ unbekannte Bands aus dem Alternative-Bereich mit deftigen Gitarren.

    Der Bass stöhnt mir bereits weit von draußen entgegen. Es ist voll, man kann kaum stehen. Ich bin zu spät gekommen und die Luft ist erdrückend. Nichts für Nichtraucher. Das Publikum trägt heute Abend Röhrenjeans und karierte Vans. Ich freue mich, dass so ein kleiner Club, der ständig Livebands präsentiert, ohne Eintritt zu verlangen, überleben kann – auch wenn hier die Dauergäste vermutlich reihenweise an Lungenkrebs sterben werden.

    Ich höre immer wieder positive Stimmen aus meinem Bekanntenkreis übers Subway to Peter, das sich mit kostenloser Livemusik und gratis Erdnüssen in ihre Herzen eingefressen hat. Auch die Getränkepreise sind äußerst moderat. Wäre ich früher gekommen, wäre ich vermutlich geblieben, aber ohne Platz und Luft geht es für mich zurück in die Innenstadt. Mit der Linie 42 geht es jetzt Richtung heimische Universität.

    Das PEB, das direkt am gelben Wohnheim an der Bibliothek im Keller gelegen ist, hat heute Abend Rockabend. Nach einigen Versuchen den Eingang zu finden, denn der liegt nämlich um die Ecke, gelangen ich und meine Mitstreiterin, die ich rücksichtsloser Weise erst an dieser Stelle in den Bericht einführe, dann auch hinein. Im Gang stehen viele Studierende, die sich angeregt unterhalten. Die Stimmung ist gut und die Musik stimmt mit der Ankündigung überein. Keiner tanzt.

    Warum tanzt die Jugend heute nur noch unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, schießt es mir altklug in den Kopf. Ich beklage mich bei meiner Mitreisenden über die deutsche Gesellschaft. Ich solle doch selbst tanzen, antwortet sie mir. Ich entgegne, dass ich dazu noch nicht genug getrunken habe.

    Meine Getränkepreis-Aufschreib-aktion wird von einem Studenten beobachtet. Er folgt mir und stellt mich freundlich zur Rede. Ich erkläre ihm, was ich mitten in der Nacht in diesem Klub mit Stift und Block mache: „Ich recherchiere.“ Ich merke, er hat Angst, dass ich mich negativ über den rustikal eingerichteten Studentenklub äußere. Warum sollte ich das? Die Preise der Getränke sind fast Selbstkosten, musikalisch deckt das PEB einen weiten Bereich ab und die Stimmung, so scheint es mir, ist die die ausgelassenste in allen Lokalitäten bisher. Es wird gelacht, diskutiert und geflirtet. Das PEB ist mit Gewissheit nichts für diejenigen, die anonymisierte Großraumdiscos mit Dresscode bevorzugen. Es ist ein Studentenklub, dem man ansieht, dass dort viele Generationen von Studierenden – damals hießen sie ja noch Studenten – mit ihren Freunden gefeiert haben.

    Unser letzter Anlaufpunkt an diesem Abend ist das FPM. Man muss im Wohnheim am Eingang klingeln um eingelassen zu werden, was mich einige Überwindung kostet. Liegt es daran, dass die Gäste des FPM an zwei Händen abzuzählen sind oder ist der Grund das musikalische Thema? Heute ist „Darkzone“ und alle Gäste außer der Barkeeperin hüllen sich in ein Rabenschwarz und mindestens einer duftet nach Patchouli, was den beschaulichen Raum vollends erfüllt.

    Das FPM ist ein Einraumclub, welcher ungefähr dreimal so groß ist wie ein Wohnheimzimmer und viele kuschelige Sitzplätze vom Sofa über den Kartenspieltisch zum Barhocker bietet. Der Klang der Musik ist aufgrund der Größe des Clubs fantastisch. In Abgrenzung zum PEB bietet das FPM dem Nachtlebendurstigen eine gewisse Saubermannatmosphäre und moderne Einrichtung. Das Klo hingegen hätte mich vom Barhocker rutschen lassen, hätte ich noch auf ihm gesessen, als ich die Örtlichkeiten aufsuchte. Ich fragte mich, ob das FPM seit langem in Kloputzstreik gegangen ist oder ob Nichtgäste, das heißt andere Wohnheimbewohner, die Klos so versaut haben?

    Der DJ diesen Abend ist ein fröhlich-neckisch dreinschauender Kollege, der sich angeregt mit vielen Gästen unterhält. Er spielt tragende ruhige Klänge zu dieser späten Stunde mit allerlei orchestralen Instrumenten – nicht zu vergessen, der lustige Vertreter der Mittelalter-Musik, der Dudelsack, ist auch dabei. So wird in dieser Nacht an diesem Ort viel rumgedudelt und ich werde langsam müde. Das dunkle Kerzenscheinambiente im modern eingerichteten FPM gibt mir den Rest, sodass ich beschließe den Heimweg anzutreten.

    Als ich zu Hause ankomme, platziere ich mich wieder an meinem Fenster, schaue nach draußen auf die hochgeklappten Bürgersteige der Nachbarschaft und rufe mir den Abend und die Clubs in Erinnerung:

    Das Flowerpower lud zum Anfang mit vielen Bienen und Batiktapeten zum Entspannen bei Evergreens ein.

    Subway to Peter war der aufwühlende Alternative-Part des Abends, bei dem man für Livemusik und Erdnüsse keinen Penny blechen muss, aber früh genug kommen sollte, um nicht vorm Klo stehen zu müssen.

    Das PEB gab sich diesen Abend als richtiger Studentenklub. Gute Stimmung und die niedrigen Getränkepreise würden es einem erlauben mit dem gleichen Budget fast doppelt so betrunken zu sein wie im Flowerpower.

    Das FPM als letzter Club der Nacht war modern und stilsicher eingerichtet und bot zur Abwechslung angenehm viele (freie) Sitzplätze, wenn auch der Zustand des wichtigsten Sitzplatzes Toilette unfassbar war. Die Preise des FPM sind identisch mit dem des PEB.

    So bleibt mir nur noch zum Abschluss ein Fazit: „Ja, Chemnitz hat etwas zu bieten – auch für diejenigen, die keinen Eintritt zahlen wollen und nicht ständig unter der Woche weggehen mögen oder können.

  4. 4 Frechi Fergcel 26. Juni 2008 um 12:42 Uhr
  5. 5 kaputtgedönse 06. Juli 2008 um 18:38 Uhr
  1. 1 Scheisse Quergelsen: Campusjournal Chemnitz | jaegerzaun Pingback am 01. Juli 2008 um 23:58 Uhr
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