Joseph Beuys organische Ästhetik und von Zurichtungen „noch gefährlicher als Auschwitz“

Erklärung Joseph Beuys zu seinem Vorschlag für ein „Auschwitz-Denkmal“ in den späten 50ern:

„„Nach meinem Verständnis sind diese Arbeiten nicht entstanden, um die Katastrophe darzustellen, obwohl die Erfahrung der Katastrophe sicherlich zu meiner bewußten Haltung beigetragen hat. Aber ich wollte sie nicht illustrieren, noch nicht einmal als ich den Werktitel „Konzentrationslager Essen“ wählte. Der Titel sollte nicht die Ereignisse eines Lagers darstellen, sondern das Wesen und die Bedeutung der Katastrophe. Hier muß angesetzt werden (…) Die Lage, in der sich die Menschheit befindet, ist Auschwitz, und das Prinzip Auschwitz wird in unserem Verständnis von Wissenschaft und politischen Systemen, in der Delegation von Verantwortung an Spezialisten und im Schweigen der Intellektuellen und Künstler fortgeführt. Ich mußte mich ständig mit dieser Situation und ihren historischen Wurzeln auseinandersetzen. Ich meine zum Beispiel, daß wir heute Auschwitz in seiner zeitgenössischen Ausprägung erleben. Dieses Mal werden Körper von außen konserviert (kosmetische Mumifizierung), nicht vernichtet, dafür wird anderes ausgemerzt. Talent und Kreativität werden ausgebrannt: eine Art Hinrichtung im geistigen Bereich, eine Atmosphäre der Furcht wird geschaffen, die durch Subtilität eher noch gefährlicher ist.“

Die Gleichsetzung Auschwitz´ mit einer nichtmal diffus ausgeführten, irgendwie gearteten Zurichtung des Subjekts in kapitalistischen Verhältnissen muss zunächst merkwürdig erscheinen um dann schnell begreiflich zu werden, deuten Beuys Imagination von „Talent“ und „Kreativität“ als Naturgesetzlichkeiten – als intellektuelle Archetypen – seine verklärte Verhaftung im trüben Strom des esoterisch Irrationalen bereits an. Nichtidentisches bespricht die Idee einer organischen Ästhetik des „Filznazis“ als Resultat der Regression auf stumpfeste antikapitalistischen Ressentiments, einen urtümlichen Mystizismus und Rudolf Steiners esoterisch-völkischer Ideologie (klick).


4 Antworten auf “Joseph Beuys organische Ästhetik und von Zurichtungen „noch gefährlicher als Auschwitz“”


  1. 1 dietc 30. April 2008 um 10:54 Uhr

    beuys ist ein depp v.d.h. (antroposoph halt)

  2. 2 Nichtidentisches 06. Mai 2008 um 10:11 Uhr

    Hach, das freut, wenn es nochmal jemand liest… Ein Hinweis noch: Der Link ist falsch, führt zu der Rezension „Der Iran…“
    http://nichtidentisches.myblog.de/nichtidentisches/art/74839940/Der_Filznazi
    Das ist der richtige

  3. 3 Frechi Fergcel 06. Mai 2008 um 21:49 Uhr

    habe den link korrigiert, danke

  4. 4 Emele 22. Oktober 2008 um 8:38 Uhr

    Well said.

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