Girls zu Pflugscharen (auch hässliche)

Dass wenn von Emanzipation die Rede ist, nur allzu selten das manifeste Interesse an Schniepel abschneiden, d.h. am tatsächliches Einebnen der Kategorie Gender gemeint ist, als vielmehr die gleichberechtigte Teilhabe an abstrakter Arbeit, lanciert die Agentur für Arbeit Chemnitz und die Uni mit ihrem „Girls Day“, dem „Zukunftstag für Mädchen“.
Für Mädchen „die sich schon immer gefragt haben, was eine KFZ-Mechantronikerin auf einem 40Tonner(!) macht“ sollen dabei unter Weißblenden der wesentlicheren Fragestellung, nach dem, was das denn soll mit dem Mann/Frau-Quatsch, Antwort finden – angeleitet werden „schon ab der 5. Klasse“ die Auseinandersetzung mit „Werkstätten, Labors und Büros“ als quälenden Prägestock wirken zu lassen.
„Alte Vorurteile und Regeln“ sollen an diesem Tag in der Agentur „aufgebrochen werden“, d.h. zu den tradierten Reproduktionsarbeiten der Girls soll, weil sich eben Ökonomie und Wissenschaft treffen, nunmehr auch abstrakte Arbeit gesellen. Future-Girls verdienen sich diese Doppelbonifikation (in Sinne Scholzens Wertabspaltungstheorie) weil sie von Haus aus „sehr genau und zielstrebig sind und eine „sehr gute Auffassungsgabe haben“ und sie weiterhin – „enormen Fachkräftemängel“ sei dank – noch vor Ausländern rangieren. Pech gehabt!
Dass der Geschlechterdualismus Korralat der spezifischen Entwicklung hin zum Kapitalismus ist, machen die OrganisatorInnen nicht zum Thema, wenn ihr scheinbarer Ruf nach vorbürgerlichen Zuständen laut wird, als der Bauer gut auch Bäuerin sein konnte, in denen Frauen zwar als minderwertig galten aber informellen Möglichkeiten der Einflussnahme hatten, noch nicht als Hausfrau und Mutter doppelt vergesellschaftet gedacht wurden.
Tatsächlich wird also nicht mehr als eine „Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt“ verhandelt. Eine Kritik an der Kategorie Gender, der eine Kapitalismuskritik zu Grunde liegen muss, verkehrt der „Girls Day“ – na klar – ins Gegenteil.

Achso: Hässliche aufgepasst! Der „Bewerbungs-TÜV“(aktivierender Sozialstaat) verpasst auch euch „das richtige Styling beim Vorstellungsgespräch“!


3 Antworten auf “Girls zu Pflugscharen (auch hässliche)”


  1. 1 mei 17. April 2008 um 9:19 Uhr

    hachja, der nebenwiderspruch … 8-| wenn eines tages der kapitalismus überwunden ist, so wie das geplant war, dann reden wir mal darüber.

    ich liebe blogsport! guck-->

    guck!

  2. 2 Chrisse 17. April 2008 um 10:58 Uhr

    Okay, aber immerhin. Dass die Sachbearbeiterin oder der Sachbearbeiter deiner Wahl zum ALGII-Antrag den Aufklärungsbogen zum geschlechterrollenbefreiten Leben hinterherschiebt ist ja leider nicht zu erwarten.

  3. 3 Frechi Fergcel 17. April 2008 um 13:52 Uhr

    @mei
    es sollte zum ausdruck gebracht werden, dass programmatiken wie der „zukunftstag für mädchen“, die sich in ihrer ästhetik selbst als „emanzipatorisch“ labeln, die zustände nur affirmieren/verstärken, girls zu doppeltzugerichteten (arbeit UND weibische reproduktionstätigkeit) dressieren. den nebenwiderspruch seh ich deshalb nicht, eben weil die aufhebung an der dopppelten vergesellschaftung nur über eine kritik der abstrakten arbeit gedacht werden kann.

    nachtrag bzgl. der personalisierten googleadds:
    haessliche

    @chrisse: das erwartet nmd. worum es geht, ist die beanspruchung der deutungshoheit des begriffs emanzipation, als integration d. girls in d. arbeitsmarkt.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.