Archiv für April 2008

Joseph Beuys organische Ästhetik und von Zurichtungen „noch gefährlicher als Auschwitz“

Erklärung Joseph Beuys zu seinem Vorschlag für ein „Auschwitz-Denkmal“ in den späten 50ern:

„„Nach meinem Verständnis sind diese Arbeiten nicht entstanden, um die Katastrophe darzustellen, obwohl die Erfahrung der Katastrophe sicherlich zu meiner bewußten Haltung beigetragen hat. Aber ich wollte sie nicht illustrieren, noch nicht einmal als ich den Werktitel „Konzentrationslager Essen“ wählte. Der Titel sollte nicht die Ereignisse eines Lagers darstellen, sondern das Wesen und die Bedeutung der Katastrophe. Hier muß angesetzt werden (…) Die Lage, in der sich die Menschheit befindet, ist Auschwitz, und das Prinzip Auschwitz wird in unserem Verständnis von Wissenschaft und politischen Systemen, in der Delegation von Verantwortung an Spezialisten und im Schweigen der Intellektuellen und Künstler fortgeführt. Ich mußte mich ständig mit dieser Situation und ihren historischen Wurzeln auseinandersetzen. Ich meine zum Beispiel, daß wir heute Auschwitz in seiner zeitgenössischen Ausprägung erleben. Dieses Mal werden Körper von außen konserviert (kosmetische Mumifizierung), nicht vernichtet, dafür wird anderes ausgemerzt. Talent und Kreativität werden ausgebrannt: eine Art Hinrichtung im geistigen Bereich, eine Atmosphäre der Furcht wird geschaffen, die durch Subtilität eher noch gefährlicher ist.“

Die Gleichsetzung Auschwitz´ mit einer nichtmal diffus ausgeführten, irgendwie gearteten Zurichtung des Subjekts in kapitalistischen Verhältnissen muss zunächst merkwürdig erscheinen um dann schnell begreiflich zu werden, deuten Beuys Imagination von „Talent“ und „Kreativität“ als Naturgesetzlichkeiten – als intellektuelle Archetypen – seine verklärte Verhaftung im trüben Strom des esoterisch Irrationalen bereits an. Nichtidentisches bespricht die Idee einer organischen Ästhetik des „Filznazis“ als Resultat der Regression auf stumpfeste antikapitalistischen Ressentiments, einen urtümlichen Mystizismus und Rudolf Steiners esoterisch-völkischer Ideologie (klick).

Matthias Schweighöfer ist Manfred von Richthofen!

Matthias Schweighöfer ist Manfred von Richthofen! Das zeichnete sich für mich, ob seines fuchsenzeitigen Phänotypes irgendwie schon länger ab. Nachdem Felicitas Woll 2005 Dresden wurde, reüssiert Schweighöfer dieser Tage auch außerhalb des Sets als der Rote Baron – trägt seinen Teil zur geschichtsrevisionistischer Vergangenheitsbewältigung bei. (mehr…)

Girls zu Pflugscharen (auch hässliche)

Dass wenn von Emanzipation die Rede ist, nur allzu selten das manifeste Interesse an Schniepel abschneiden, d.h. am tatsächliches Einebnen der Kategorie Gender gemeint ist, als vielmehr die gleichberechtigte Teilhabe an abstrakter Arbeit, lanciert die Agentur für Arbeit Chemnitz und die Uni mit ihrem „Girls Day“, dem „Zukunftstag für Mädchen“. (mehr…)