Raus aus der Einsamkeit, rein ins linke Vergnügen!


„In manche Ecke darf man nicht so genau gucken“, schärft einem die skeptische Medienstudentin – deren Phobie vor dem „Schrägen und Düsteren“ hier nicht Thema sein soll- in ihrem Videobeitrag zum „Wohn- und Kulturprojekt Reitbahnstraße 84“ in Chemnitz den Blick, vergisst aber hinterherzuschießen, dass an anderen Stellen auch nicht so genau hingehört werden sollte.

An denen nämlich, wo die redseligen Raumpioniere G. und M. von „unserer Gesellschaft“ schwatzen, sozialarbeiterInnen-tonal vorm Rückzug in „computervirtuelle Welten“ warnen und gleichzeitig die Handreichungen zur Abhilfe anbieten. Die verkürzte Vorstellung von Raum, insofern, dass Raum genau da Nicht-Raum ist, wo das eigene Verständnis vom Sujet nicht mehr zu kalben vermag, geht diesem bauchlinken Auswurf voraus. Er bleibt monokausal, weil er auf die Gleichung „Vereinsamung“= 24monatige dsl-flat rekurriert und beantwortet daher eo ipso das, was der Videofilmerin sich als Frage danach stellt, was „da drinnen wohl so passiert“, mit blindlinks diffuser Aktionismussalbung für irgendwie Vereinsamte.
Die Sache stellt sich dem Betrachtenden als ein Hospiz der linken Gemütlichkeit, in der „wie in einer Großfamilie“ (oder eben der umma), sozialromantisch die „Hilfe des Stärkeren“ (derjenigen mit der playstation in der Bude) „für den Schwächeren“ sich entfalten kann dar. Hier – dem Hausprojekt und damit dem richtigen Leben im falschen – wie dort – wo sich die (Volks)gemeinschaft als Krisenideologie unter paternalistischer Anordnung solidarisch gebärden muss, wird unter der regressiven Methodik der Zwangskollektivierung das Primat der „Hilfe zur Selbsthilfe“ ausgegeben („die, die Hilfe geben können, sollen die auch leisten“).
Raus aus der Einsamkeit, rein ins linke Vergnügen! Dahin, wo die Nachbarin aus dem Wohnkollektiv, die sozial längst entfremdet erscheinende Freundin aus dem Instant Messenger ablöst und einem nach dem Subsidiaritätsprinzip mit der Butter aushilft, statt vereinsamende Filetransfers zu offerieren!
Ob die Bewohnerinnen tatsächlich an einer derartigen (Außen)darstellung interessiert sein können, bleibt mir bisher undurchdrungenes Rätselwerk.


15 Antworten auf “Raus aus der Einsamkeit, rein ins linke Vergnügen!”


  1. 1 mei 03. Februar 2008 um 18:21 Uhr

    1 bessere world isst (off) möglig! think global act lokal.

  2. 2 abbas 03. Februar 2008 um 20:37 Uhr

    worin soll bitteschön der zwang bestehen, den du hier dem hausprojekt bescheinigst?

  3. 3 Frechi Fergcel 03. Februar 2008 um 20:51 Uhr

    @abbas: zwang im sinne einer protestantischen selbstgeißlung was das abarbeiten „linker kataloge“ (in die bresche springen, dieses und jenes muss angepackt werden, wohnformen am besten ohne wände, kommunismus=jeder gehört das laptop der anderen, verzichtsethik usw), der ja hier offengelegt wird, anbelangt

    @mei: lol

  4. 4 was soll das "abbas"? 03. Februar 2008 um 23:10 Uhr

    das filmchen ist ja irgendwie zum gähnen, aber nicht halb so schlimm wie die beiden schlaftabletten, die sich zu ihrem selbstverständniss auskotzen dürfen.
    (wer meint in chemnitz auch nur einen einzigen “jungen künstler” oder einen “anderen” zu kennen, der bereit wäre, räume in der “reiba” zu nutzen, und der nicht von den “raumpionierInnen” weggeekelt wurde, sollte vielleicht mal einen psychologen aufsuchen,
    wer desweiteren ernsthaft glaubt, dass es leuten in ihrer vereinsamung in “virtuellen welten” schlechter geht als etwa im zwangskollektiv eines sich als “grossfamilie” halluzinierenden heimes für soziale randgruppen (in chemnitz eben: jugendliche), ist doof.)
    schön auch, dass “permanent etwas zu tun” ist: wem beispielsweise die gesichter seiner/ ihrer bezugspersonen nach tag 60 des intelektuellen stillstandes zum hals raushängen, kann sich einfach einen spatel nehmen oder einen kochlöffel, und damit nebenbei den obligatorischen dienst an der gemeinschaft verrichten.

  5. 5 ah ha ah ja von a h 03. Februar 2008 um 23:58 Uhr

    7. ah ha ah ja von a h 03. Februar 2008 um 22:12 Uhr

    antonin artaud, postsurrealismus bester güte, mit angemessener musikalischer begleitung, und schon ist die verwirrung groß. eine musikalische lesung anlässlig artauds geburtstag hat sie sich ganz anders vorgestellt, eine böse überraschung. aber zum glück, wie die autorin feststellt, “können die, die damit nicht ganz so viel anfangen konnten, sich noch anderweitig vertun.” am meißten zum glück für sie selbst, wahrscheinlich.
    es wird befragt und beschaut von der lieben autorin aus mittweida, die sich schon immer fragte, “was ist das dort eigentlich”, wenn sie mit dem bus durch die stadt kutschierte.
    sie lässt großzügig die kamera schwenken und weist auf ecken hin, in denen mensch besser nicht genau hinsehen sollte.(z.b. in eine, in der 2 fahrräder stehen, vielen dank!)
    sie lässt auch 2 bewohnerInnen der reitbahnstrasse sprechen.
    sowenig wie es um die mitgliedschaft in einem bestimmten verein geht, oder dessen ziele, sowenig kann mensch auch glauben das es dort um die verwirklichung städtespezifischer gesellschaftlicher (gesellschaft hier im weitesten sinne, weil die reden viel zu unkonkret sind…) gegenkonzepte geht. es ist die rede vom füreinander kochen, von einer für wichtig empfundenen guten fähigkeit zur disziplinierung des eigenen körpers (arbeit), von füreinander überhaupt, von der sogenannten industriebrache chemnitz, von vereinsamung und zusammenhalt. das video verwischt bruchlos den unterschied zwischen verwirklichung einer kritik gesellschaftlicher verhältnisse und subkulturell- differenten lebenstil, dem wechselseitig vermittelt ein theoretischer inhalt anhängt, gedanken, ideen. es wird weder auf wiedersprüche, noch auf eine konkrete verwirklichung konkreter verhältnisse hingewiesen. dies aber geschieht nicht nur inhaltlich sowie formell am video der autorin, sondern wird in einer erschreckenden weise von den bewohnerInnen der reiba min. genauso tragisch selbst paraktiziert.
    es ist dann auch nicht verwunderlich, dass obwohl der autorin der subversive ort zu rebellisch, zu schräg und zu dunkel ist, sie dem ganzen dann doch seine bedingungen und berechtigungen zuspricht. denn dort wo füreinander gekocht wird und raum er”arbeitet” wird, brauch man sich seinen lebensraum in einer gemeinschaft nicht “kaufen”. und das die liebe studentin aus mittweida auf solche ideen kommt liegt warscheinlich daran, dass sie keine mühen gescheut hat den bewohnerInnen des hauses genau zuzuhören und vielleicht hat ihr jemand von da einen text geschickt, in dem stand dann: “wir sind hartnäckig darin unsere visionen in die realität umzusetzen und wir üben damit konstruktiv gesellschaftskritik aus…”
    da sprudelt es doch vor notwendig falschen erkenntnissen und dabei ist eindimensionalität und oberflächlichkeit der autorin eng mit der der bewohnerInnen verschränkt.
    und das wo es angeblich darum geht etwas auf den grund zu gehen und es fällt beiderseits fraglich aus.
    (leider nicht nur fraglich, sondern gänzlich daneben, wenn man die 2 würste vor laufender kamera so sprechen hört…)
    arbeit macht keinen spaß, auch nicht wenn man sich dabei auf eine zukunft freut in der gemeinschaft und gegenseitiges füreinander noch großgeschrieben werden.
    im gegenteil, das macht sie um so schlimmer.
    auch will ich noch darauf verweisen das der ausdruck der autorin im video über den zwiespalt der möglichkeit der nutzung freien raumes einerseits und bestimmter subkultureller manier (dreck usw.) andererseits nur einer der fiesen übel verkürzter gesellschaftskritik ist.

    8. 8 ah ha ah ja von a h 03. Februar 2008 um 22:22 Uhr

    und vielleicht hätte der letzte satz der autorin besser heißen sollen: wer richtig lust hat auf eine volksgemeinschaft- kann gern einmal in der reitbahnstrasse 84 vorbeischauen.

  6. 6 Theodore 04. Februar 2008 um 7:04 Uhr

    ein ausführliches erbrechen über die fähigkeiten im umgang mit kamera und drehbuch der „lieben autorin aus mittweida“ halte ich ja für ziemlich traurig. wobei?
    lobenswert ist doch schon allein die wahl des themas bzw. ihre wahrnehmung der transparente , die eher zum schnellen wegschauen (vielleicht aus peinlichkeit, vielleicht aus vermeidung von wut) anregen, als zum eintreten.
    ihr pech ist es allerdings,dass sie am drehtag noch einen abend voller „postsurrealismus bester güte“ erwischt hat.
    und dass die mehrheit der gefilmten personen zu denen gehören, die mit dieser lesung nichts anfangen können, spricht entweder für die unerträglichkeit einer antonin artaud-lesung, (interpretiert von den chipmunks, die in wirklichkeit ein halbnackter mann sind und unerträglichen industrielärm mit ihrer gitarre erzeugen) oder die geschickte umsätzung und intention der autorin.
    warum sollte da die verwirrung nicht groß sein? (sowohl bei der autorin, als auch bei dem betrachter/der betrachterin des beitrages)

    „und vielleicht hätte der letzte satz der autorin besser heißen sollen: wer richtig lust hat auf eine volksgemeinschaft- kann gern einmal in der reitbahnstrasse 84 vorbeischauen.“

    warum nicht? beim „vorbeischauen“ wird man ja nicht unwiderruflichen in die „volksgemeinschaft“ eingebunden, man kann aber umsomehr die erledigten arbeiten der bewohner/innen in ansruch nehmen (z.B. gekochtes essen oder anderes gebautes).

  7. 7 8. 8 ah ha ah ja von a h 03. Februar 2008 um 22:22 Uhr 04. Februar 2008 um 14:45 Uhr

    im schreiben über form und inhalt des videos ging es eher darum zu zeigen wie sehr und wie schlimm sich die verhältnisse in der reitbahnstrasse sogar in einem solchen video ausdrücken und in welcher weise vermittelt.
    ich meinte es nicht ironisch, das sie sich lieb anhört. und nicht ironisch meine ich das sie notwendigerweise erschrecken muss bei der lesung, und vorallem wenn sie artaud nicht kennt, und das sie glück hatte: sich anderweitig zu vertun, dass meinte ich auch nicht ironisch, sie hatte glück: zum glück.
    wenn du meinst eine sich selbst hallozinierende selbsternannte gemeinschaft von „volksolidarischen“ linksromantischen verklärerInnen , wäre nur dann nicht schlimm, wenn sie einen nicht zwangsläufig in die selbe einbinden würden, dann muss ich annehmen du wohnst dort auch, denn das was zum problem vom strukturellen bewusstesein linker ideologie gehört schleicht sich schon mal viel komplexer in das denken der menschen ein, die mal eben da vorbeischauen. zb in dem video. es geht um denkform und nicht um mit anpacken müssen oder nicht: klar? :::darum ging es in meinem kommentar.
    deutsche linke in der reitbahnstrasse sind kein zuckerschlecken ich sag das nicht nochmal!!!!

  8. 8 8. 8 ah ha ah ja von a h 03. Februar 2008 um 22:22 Uhr 04. Februar 2008 um 14:51 Uhr

    und ich hoffe ich werde nicht falsch verstanden wenn ich vom übel verkürzter gesellschaftskritik schreibe: ich meine damit nicht die autorin des videos oder das video, ich meine die reitbahnstrasse, die sich im video ausdrückt, und sich ausdrückt an sich selbst.
    und übel ist übel.

  9. 9 bugs bunny 05. Februar 2008 um 15:23 Uhr

    Wir haben einen intellektuellen Stillstand als Kollektiv definitiv erreicht! Aber genau das spricht, in diesem Fall, gegen Volksgemeinschaft weil die zwei „Schlaftabletten“ aus dem Video lediglich über sich sprechen und es einfach noch Menschen in und um die Reitbahnstrasse 84 gibt, die nicht den Traum irgendeiner Gemeinschaft mit der Hausfrau und dem Hausmann träumen. Natürlich haben die BewohnerInnen unter sich differenzierte Ansichten über alles Mögliche, was oft zu krassen Auseinandersetzungen führt. Die gute, alte soziale Kompetenz, keiner hat sie, aber alle wollen sie.
    Ein emanzipatorisches Zusammenleben unter diesen Bedingungen (die einzelnen BewohnerInnen kannten sich zum teil erst ein paar Wochen, mehr als 20 Menschen wohnen hier, extrem unterschiedliche Methoden zur Bedürfnisbefriedigung, unterschiedliche Bedürfnisse…) ist nur schwer umzusetzen. Der Umgang mit auftretenden Problemen und kritikwürdigen Ansichten im Haus ist zu ändern. Allerdings ist eine solche Diskussion ohne die beteiligten Menschen und auf diese Art und Weise, von außen, sehr schwer. Bei den wöchentlichen Plenas geht es um Bau, Kochen, Saubermachen; ein Ansatz wäre hier direkt über die Probleme der „protestantischen selbstgeißlung“ zu sprechen. Eine Diskussion kann da sicherlich hilfreich sein; das immanente Problem einer Gemeinschaft, die meist etwas Ausschließliches ist, ist nur durch Rückkopplung von außen bzw. konkrete, nicht-polemische Kritik zu umgehen. An diesem Punkt ist durch die Aussenwirkung der ReBa84 festzustellen, daß eine solche Diskussion innerhalb nicht stattfindet sonder nur einzelne BewohnerInnen außerhalb in jeweils bestimmter Weise emanzipatorisch tätig sind.

    „wenn du meinst eine sich selbst hallozinierende selbsternannte gemeinschaft von “volksolidarischen” linksromantischen verklärerInnen , wäre nur dann nicht schlimm, wenn sie einen nicht zwangsläufig in die selbe einbinden würden, dann muss ich annehmen du wohnst dort auch, denn das was zum problem vom strukturellen bewusstesein linker ideologie gehört schleicht sich schon mal viel komplexer in das denken der menschen ein, die mal eben da vorbeischauen. zb in dem video. es geht um denkform und nicht um mit anpacken müssen oder nicht: klar? :::darum ging es in meinem kommentar.
    deutsche linke in der reitbahnstrasse sind kein zuckerschlecken ich sag das nicht nochmal!!!!“ [Kommentar von 8. 8 ah ha ah ja von a h 03. Februar 2008 um 22:22 Uhr auf jaegerzaun.blogsport.de]

    Das wiederum ist ein wirklich ganz schöner Hammer an Kritik. Liegt vielleicht daran das in Chemnitz so wenig passiert und sich jetzt sämtliche frustrierte Antideutsche Kritik an der Reitbahnstrasse 84 entlädt. Egal. Was zum Teufel ist „strukturelles bewusstsein linker ideologie“? Ich denke, daß Ideologie immer die selbe Struktur hat und sich nur die Methoden und Argumente ändern (zb. Die frage nach der Schuld oder nach der Utopie [Anarchie, Kommunismus, Kapitalismus, Nationalismus, Biertrinken…]…). Mit einer solchen Kritik aus dem Intellektuellen Elfenbeinturm, ohne Konkreten Ansatz, kann ich dir nur erwiedern, die Bewohnerinnen und alle anderen müssen eine offenen Diskussionsprozess angehen. Wie ich schon oben beschrieben habe, gibt es da eine menge, sicherlich auch Ideologische, Ansätze an denen man anfangen muss und die diesen Prozess am Anfang behindern werden. Verdammt. Ich würde deinen letzten Satz gerne ändern in Hausprojekte „sind kein zuckerschlecken ich sag das nicht nochmal!!!!“.
    Die theoretische Kritik einer Praxis ist wichtig aber nur eine andere Theorie macht noch keine neue Praxis. Verdammte Scheiße noch mal, ein emanzipatorisches, ideologiefreies Hausprojekt, in welchem die Bedürfnisse der einzelnen Beteiligten im Vordergrund stehen und Solidarität und Humanismus das Handel bestimmen wäre natürlich total geil. Aber eine solche Formulierung führt sofort zum Zwang (schlimmstenfalls zur Ideologie). Das persönliche Interesse mit Anderen zusammenzuleben, von vornherein als den Weg zur Volksgemeinschaft abzutun, ist verkürzt. Wenn das Selbige dann allerdings den Anspruch an Emanzipation verliert bzw. ausschließlich wird, ist Kritik zwingend notwendig bzw. das Projekt als gescheitert zu betrachten.
    Inwieweit Gesellschaftskritik (auch wenn sie nur städtespezifische ist) durch das Leben in einem Hausprojekt ausgedrückt werden kann, wenn es dabei ja in erster Linie um das eigene Interesse nach einem besseren Leben geht, ist sicher eine Frage die es zu diskutieren gilt. An diesem Punkt ist jede Kritik, welche die Außenwirkung der Reitbahnstrasse 84 betrifft, gerechtfertigt. Alles was an Kritik an den chemnitzer Zuständen nach Aussen kam, war nur Mittel zum Zweck um an das Haus zu kommen und somit verkürzt, eben weil seit das Haus existiert, nichts neues passiert bzw. nach Außen gedrungen ist. Eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Zuständen in Chemnitz sollte offener und mehr nach Außen geführt werden. Zur Zeit sieht einfach alles danach aus, als würden die BewohnerInnen für die Stadt arbeiten und einfach nur ein Mittel für ein jugendliches Image der Stadt sein. Linksradikale Politik sollte anders aussehen.

    Das alles sind natürlich auch wieder nur subjektive eindrücke aus dem leben der BewohnerInnen und sollten auch als solche behandelt werden.

  10. 10 Chrisse 06. Februar 2008 um 0:31 Uhr

    So, ich meinen Senf auch noch dazu: Ich habe keine Lust darauf, die Ambitionen und Vorstellungen der Autorin zu hinterfragen, noch will ich irgendwelche Praxis des Hauses kritisieren.
    Trotzdem war ich ein wenig geschockt darüber, wie sozusagen die „Vision“ der Reba dargestellt wurde (wurde ja nun auch schon viel dazu gesagt), irgendetwas von sanierten und unsanierten Häusern in Chemnitz und Vereinsamung. Ich dachte mir da: „Das wären nicht die ersten Ideen, die mir bei den Möglichkeiten eines Hausprojektes kommen würden, das durch eine Besetzung entstanden ist, da geht doch mehr!“ Ich habe eben keine Lust darauf, mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, weil ich auch sage: „Hausprojekte sind kein Zuckerschlecken“. Und ich zahle im Gegensatz meine Miete für eine Wohnung, die schon vor dem Einzug in ganz gutem Zustand war. Aber trotzdem sind die oben genannten Punkte Themen, bei denen die Reba durchaus an ihrem Potential vorbeidenkt.

  11. 11 nullzustand 28. März 2008 um 16:51 Uhr

    zum lachen

  12. 12 Nichtidentisches 04. April 2008 um 11:43 Uhr

    Ich gehe da nicht d‘accord.
    1. Ist das subtile Bedürfnis der vorgestellten 18-20-Jährigen nach unverfälschtem Glück in solidarischen Bezügen durchaus nachzuvollziehen. Das Internet im falschen Ganzen enthält eben auch die Möglichkeit zum Umschlag in die weitere Monadisierung der Individuen im Banne der bürgerlichen Gesellschaft. Insofern kann Jägerzaun nicht schlüssig nachvollziehen, wieso beide Momente vermittelt sind: Vereinsamung und Sehnsuch nach Kollektiven.
    2. Was zur Sprache steht ist die Möglichkeit einer solidarischen Praxis. Diese, so sehr ich solche Kollektive fürchten gelernt habe, sind kaum als zwanghaft determiniert. Zu benennen wäre, wie der Klassenkampf sich in diese sich als intakt vorgestellten Kollektive hineinwirkt und dort noch ein Lauern des Depravierten auf das Mehr des Privilegierten beinhaltet – wo es also gälte, ein Jenseits vom Elend der Gesellschaft abzutrotzen, flüchtet das Kollektiv in den Modellversuch und eröffnet darin die gleiche Neidbeisserei mit moralischem Anspruch, die eben nicht die Organisation der workforces ersetzt. Das macht es allerdings noch nicht verwerflicher als jene Gesellschaft, die solches hervorbringt.
    Vielmehr habe ich den Eindruck, dass bei der hier versammelten Autorenschaft in Ermangelung eines Begriffs von Arbeitskampf und Emanzipation die Identifikation mit dem als übermächtig empfundenen Kapitalzweck vorherrschend ist. Wo jene narzisstisch sich aufbäumen und dabei (notwendig) reproduzieren, wissen andere es schon längst besser und resignieren vorm falschen Ganzen.
    Wenn also nicht die besserweltliche Attitüde gegeben wäre, könnte man den Impetus des Anspruchs auf einen voraussetzungslosen Anteil an gesellschaftlicher Produktivität durchaus als emanzipatorisch gutheißen – der Autor weiß nicht einzugrenzen, wie ihm solches Abtrotzen, solche Organisation anders möglich wäre, sie erscheint insgesamt als überflüssig und ideologisch, ohne Realität, die er/sie möglicherweise verleugnen möchte.

  13. 13 Frechi Fergcel 05. April 2008 um 17:32 Uhr

    1.
    wenn die „18-20jährigen“ zugerichteten, die in wirklichkeit einen so genannten akademischen hintergund haben und auf die 30 zugehen, es nach „unverfälschtem glück in solidarischen bezügen“ trachtet, ist das jaegerzaun selbstverständlich nachvollziehbar. die vermittlung von vereinsamung und kollektivsehnsucht ist dabei genauso offenbar.beim nochmaligen hören dürfte aber aufgefallen sein, dass nicht von der latenz einer „monadisierung des individuums“ die rede war.

  14. 14 Frechi Fergcel 06. April 2008 um 17:02 Uhr

    2.
    der zwang konstituiert sich, wie nichtidentisches beschreibt, im input dessen, was unter linke kataloge (oder eben „modellversuch“) firmiert und von den sprechenden -sicherlich auch der ausschnitthaftigkeit eines videobeitrags geschuldet – bloß affirmiert wird. was tatsächlich kritisiert wird – und von jaegerzaun nie mit den verhältnissen eines „außen“ aufgewogen wurde – ist genau diese von nichtidentisches benannte „neidbeisserei“ nur mit „moralischem (lol) anspruch“ – die schnapsidee einer versöhnten utopie.

    Vielmehr habe ich den Eindruck, dass bei der hier versammelten Autorenschaft in Ermangelung eines Begriffs von Arbeitskampf und Emanzipation die Identifikation mit dem als übermächtig empfundenen Kapitalzweck vorherrschend ist.
    wo denn?

  15. 15 dietc 09. Mai 2008 um 12:25 Uhr

    erst jetzt gelesen:
    „Zu benennen wäre, wie der Klassenkampf sich in diese sich als intakt vorgestellten Kollektive hineinwirkt und dort noch ein Lauern des Depravierten auf das Mehr des Privilegierten beinhaltet“,

    „in Ermangelung eines Begriffs von Arbeitskampf und Emanzipation“,

    „den Impetus des Anspruchs auf einen voraussetzungslosen Anteil an gesellschaftlicher Produktivität durchaus als emanzipatorisch gutheißen“

    lol.

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